Manchmal braucht man eine Auszeit. Auch vom Schreiben über die eigene Krankheit. Hier ein Zwischenbericht mit neuer OP und neuen Lipomen.
Es ist jetzt etwa ein Jahr her, dass ich hier zuletzt etwas veröffentlicht habe. Kein besonderer Grund, kein Drama, das Leben hat mich einfach anderweitig beschäftigt. Aber in dieser Zeit ist natürlich trotzdem einiges passiert (mit OP und neuen Lipomen). Und ich merke, dass ich wieder das Bedürfnis habe, darüber zu schreiben. Nicht nur, weil es mir hilft, sondern weil ich weiß, dass viele von Euch ähnliche Gedanken kennen.
Also: hier ist mein Zwischenstand.
Neue Lipome – wenig überraschend, trotzdem frustrierend
Wer Lipomatose kennt, der weiß: Es kommen immer neue dazu. Das ist keine Überraschung. Aber trotzdem trifft es einen jedes Mal ein bisschen, wenn man wieder einen neuen Knubbel unter der Haut ertastet.
Im letzten Jahr sind besonders an den Armen und am Bauch neue Lipome dazugekommen. Ich beobachte das inzwischen fast schon nüchtern… naja, fast. Natürlich macht man sich Gedanken. Wird es mehr? Wird es größer? Wann wird das nächste problematisch? Diese Fragen lassen sich nie ganz abstellen, auch wenn man mit der Zeit gelernt hat, sie nicht mehr täglich mit sich zu tragen.
Die OP im März – schmerzhaftes Lipom am Oberschenkel entfernt
Im März dieses Jahres war es dann wieder so weit: ein Lipom am Oberschenkel musste operativ entfernt werden. Es hatte begonnen, Schmerzen zu verursachen und dann lässt sich der Gang zum Arzt nicht mehr vermeiden.
Die Operation selbst war routinemäßig. Lokalbetäubung, kurzer Schnitt, schnelle Entfernung. Wer mehr über den genauen Ablauf wissen möchte, der kann das hier in meinem OP-Erfahrungsbericht nachlesen. Nach der Heilungsphase war die Erleichterung deutlich spürbar, denn ich hatte keine Schmerzen mehr beim Gehen, beim Sport, beim Alltag. Das vergisst man schnell, wie viel so ein drückendes Lipom nerven kann, bis es weg ist.
Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass mich solche OPs nichts mehr anhaben. Ich bin nach wie vor kein Fan des Skalpells. Aber wenn es sein muss, ist es eben so.


T-Shirts, Selbstbewusstsein und der langsame Frieden mit dem Körper
Das ist vielleicht der Teil, über den ich am meisten nachgedacht habe in diesem Jahr.
Lange Zeit war es für mich ein echtes Thema, ob ich im Sommer ein T-Shirt trage. Man sieht dann eben die Lipome an den Armen. Und auch wenn ich weiß, dass die meisten Menschen gar nicht wissen, was das ist, man selbst weiß es eben. Und man fragt sich, was andere denken.
Inzwischen gehe ich damit lockerer um. Nicht weil es mir egal ist, sondern weil ich irgendwann gemerkt habe, dass ich meine Lebensqualität nicht dauerhaft von ein paar Fettgewebsknoten abhängig machen will. Das klingt vielleicht banal, war für mich aber ein Prozess, der Jahre gedauert hat. Mir hat sehr lange das Selbstbewusst mit meinem Körper gefehlt.
Ich trage das T-Shirt. Ich gehe raus. Ich schwimme. Und wenn jemand fragt, erkläre ich es… oder auch nicht.
Das ist kein Triumphmoment. Das ist einfach ein innerer Frieden, den man sich selbst erarbeitet hat. (Mehr zu meiner Definition von Body Positivity)
Die Gedanken, die bleiben
Ehrlich gesagt: Die Sorgen gehen nie ganz weg. Ich lebe seit über 20 Jahren (bin jetzt 40 geworden 🙈) mit dieser Erkrankung und habe mir angewöhnt, damit umzugehen, allerdings das bedeutet nicht, dass es keinen Platz mehr in meinem Kopf einnimmt.
Manchmal, wenn wieder ein neues Lipom auftaucht, kommt dieses leise Unbehagen zurück. Warum ausgerechnet ich? Diese Frage stelle ich mir heute seltener, taucht aber immer wieder mal auf. Genauso wie die Frage, ob es irgendwann Behandlungen geben wird, die wirklich helfen. Nicht nur gegen einzelne schmerzhafte Lipome, sondern gegen das Wachstum insgesamt.
Ich mache mir weniger Sorgen als früher, aber ich mache mir noch Sorgen. Das ist, glaube ich, ehrlicher als zu sagen, man habe alles im Griff.
Fazit – oder: warum ich wieder schreibe
Ich schreibe diesen Beitrag nicht, weil ich große Neuigkeiten habe. Vieles kennt man und im Bezug zur OP ist es Routine. Ich schreibe ihn, weil ich einen kleine Zwischenstand geben wollte: kein dramatischer Wendepunkt, keine Wunderheilung, aber auch kein Stillstand. Einfach das Leben mit einer Erkrankung, die man (Stand jetzt) nicht heilen kann.
Wenn Du ähnliche Erfahrungen gemacht hast (mit neuen Lipomen, mit OPs, mit dem Körpergefühl) dann freue ich mich wie immer über Deinen Kommentar.
Du bist damit nicht allein.
Bis zum nächsten Beitrag.
Ronald
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